Grundthese der Astrologie            

 

Die Astrologie geht grundsätzlich davon aus, dass „Zeit“ und „Zeitpunkte“ bzw. „Zeitabschnitte“ nicht nur sich verbrauchende Quantität sind, sondern eine Qualität haben. Diese Qualität kann nach Überzeugung der Astrologie aus dem „Wandel der Sterne“, nämlich aus dem sich fortlaufend ändernden Verhältnis der Planeten, des Mondes und der Sonne zueinander erschlossen werden

 

Astrologie als Bildersprache            

 

Die Astrologie ist eine Bildersprache. Bestimmte Konstellationen in der Astrologie, unter denen die Sonnenstände in Tierkreiszeichen gewissermaßen fundamental sind (wenn auch allein keineswegs ausreichend), entsprechen bestimmten Bildern. Diese sind komplex. 

 

In einem individuellen Horoskop sind zahlreiche Konstellationen enthalten – Sonne, Mond und acht (Klein-)Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) stehen jeweils in Tierkreiszeichen, stehen in sogenannten Horoskophäusern, bilden untereinander „Aspekte“, wenn bestimmte Maßzahlen (mit Spielräumen) in Bezug auf die Längenstellung der Planeten auf der Ekliptik gegeben sind. All diesen Konstellationen entsprechen Bilder. Diese verweisen nicht auf Tatsachen-Zuschreibungen, sondern auf Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten sind nicht beliebig, sondern durch die Eigenheit des jeweiligen Bildes begrenzt; sie sind dennoch höchst vielfältig. 

 

Um ein Beispiel zu geben: Ein sogenannter Aspekt zwischen Venus und Saturn bezieht sich auf das Bild eines Mangels oder einer Begrenzung (Saturn) im Bereich der mitmenschlichen Zuneigung – Liebe, Eros (Venus). Als Möglichkeiten in diesem Bild sind unter vielen anderen diese enthalten: Gänzliches Fehlen (Saturn) einer Liebesbeziehung (Venus), Liebe (Venus) unter Zuständen des Mangels, der Armut (Saturn), Liebe (Venus), an der aus Angst vor Verlust (Saturn) strikt und zwanghaft festgehalten wird, Angst vor Beziehung, weise Beschränkung (Saturn) auf eine treu und verantwortlich (Saturn) gelebte Beziehung (Venus). Keineswegs müssen alle Möglichkeiten im Lauf eines Lebens verwirklicht werden. Menschen mit ein und derselben Konstellation können innerhalb des Bedeutungsrahmens eines komplexen Bildes ganz unterschiedliche Realisierungsmöglichkeiten wählen. Das erklärt erstens, warum Astrologie und individuelle Entscheidungsfreiheit einander nicht widersprechen, und zweitens, warum empirisch-naturwissenschaftliche Verifizierungsversuche von Astrologie regelmäßig scheitern müssen, da die Astrologie nun einmal keine Tatsachen-Zuschreibungen vornimmt. 

 

Astrologie und Theologie

 

Astrologie wird regelmäßig von kirchlicher bzw. theologischer Seite kritisch bis ablehnend bedacht. Dabei entspricht die Grundthese der Astrologie (siehe oben) durchaus biblischer Überzeugung. In Gen. 1, 14 heisst es: „Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre“. Die Zeichenhaftigkeit der von Gott geschaffenen „Lichter an der Feste des Himmels“ verweist auf die Deutbarkeit eben dieser Lichter; die „Zeit“, die diese Lichter geben, ist entsprechend deutbare Qualität. Dass eine „Qualität der Zeit“ gilt, wird ausführlich in Kap. 3 des „Predigers Salomo“ beschrieben: „Alles hat seine Zeit“. 

 

Mit diesen biblischen Stellen ist Astrologie im Prinzip auch theologisch begründbar. Theologische und kirchliche Kritik an der Astrologie kann dann noch Einzelkritik, Kritik an historisch bzw. kulturell bedingten Erscheinungsformen und Anwendungsweisen der Astrologie sein. 

 

Das Urteil der großen mittelalterlichen Kirchenlehrer zur Astrologie fällt aufgeschlossen und differenziert aus: Albertus Magnus (ca. 1200 – 1280) war davon überzeugt, dass die Sterne den Willen Gottes verkünden. Thomas von Aquin (1225 – 1274) schreibt: „Die Mehrzahl der Menschen folgt den Leidenschaften, den Regungen des sinnlichen Strebensvermögens. Es gibt nur wenige Weise, die derartigen Leidenschaften widerstehen. Darum können die Sterndeuter für die Mehrzahl der Fälle Wahres voraussagen. Nicht aber im Einzelnen, denn nichts hindert einen Menschen, durch freie Selbstbestimmung den Leidenschaften zu widerstehen.“  

 

Astrologie innerhalb der Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften 


Neben Genetik (biopsychische Verfasstheit des Menschen) und Soziologie bzw. Sozialpsychologie (gesellschaftliche Verfasstheit des Menschen) ist die Astrologie (vielleicht: transpersonale oder spirituelle Verfasstheit des Menschen) eine Disziplin, die zum Verstehen des Menschen beiträgt. Einen Ausschließlichkeitsanspruch kann und will die Astrologie nicht stellen, sie weiß sich als existenzdeutende Disziplin gleichberechtigt neben Theologie, Philosophie, Psychologie, Soziologie und anderen Human- bzw. Geisteswissenschaften. 

 

Nachdem wir „Kinder des Weltalls“ bzw. „Kinder der Milchstraße“ sind (das sind übrigens Buchtitel von zwei ausgewiesenen Naturwissenschaftlern – H.v. Ditfurth bzw. Ken Croswell), ist ein Zusammenhang zwischen Planetenbewegungen und seelischer Wandlung und Entwicklung der Menschen weniger weit hergeholt, als er scheint. 

 

Bodman, 11. März 2014

 

Christoph Schubert-Weller 

 

Ausführlicher dazu:

 

  • Christoph Schubert-Weller: Verstehen und Erkennen in der Astrologie. Philosophische Fragen und Thesen. Tübingen (astronova) 2011.
  • Christoph Schubert-Weller: Spricht Gott durch die Sterne? Astrologie, Gesellschaft und christlicher Glaube. München (Claudius) 1993.

Elementare Sternzeichen

Eine Studie von Alain Stalder, Physiker ETHZ

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Alain Stalder www.exactphilosophy.net


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